Eigentlich wollte ich niemals einen Twitteraccount anlegen – ich wollte
aber auch als Kind niemals mit dem Rauchen anfangen und habe es trotzdem getan.
Da ich jetzt dazu genötigt worden bin einen Account zu erstellen, werde ich
versuchen das Geheimnis zu lüften, das sich hinter der Faszination ‚Twitter‘
verbirgt. Auch wenn der Vergleich zum Zigarettenkonsum etwas hinkt, gibt es
Parallelen: Beide Dinge haben eine soziale Komponente, beide Dinge polarisieren
die Massen und beide Dinge sind schwierig zu rechtfertigen gegenüber Dritten.
In diesem Blogeintrag stelle ich mir die Frage, was Menschen dazu bewegt, ihr
Privatleben öffentlich zu machen.
Bevor ich meine
Suche nach dem Sinn von Twitter beginnen konnte, musste ich mir einen Twitter-Account
zulegen. Hier fingen die ersten Probleme an: Um eine sinnlose E-Mail-Flut zu
vermeiden, versuchte ich zuerst einen Account mit einer Wegwerf-E-Mailadresse
von 10-Minute-Mail zu erstellen. Der Account war schnell erstellt und auch das
Bestätigungs-E-Mail war schnell angeklickt. Leider hat Twitter meinen Account
trotzdem nicht aktiviert. Ich vermutete, dass dies an der Fake-E-Mailadresse
liegen könne, daher erstellte ich einen neuen Account mit einer anderen
E-Mailadresse, um vor demselben Problem zu stehen, und um wieder zehn Mal dazu
aufgefordert zu werden, einen Bestätigungslink anzuklicken, den ich bereits
angeklickt hatte. Naja, ein paar Minuten später funktionierte dann mein Account
und ich machte mich mit den Grundfunktionen des Dienstes vertraut: Ich bin einigen
Personen gefolgt, habe eine Nachricht ‚getwittert‘ und dann als Draufgabe sogar
eine Nachricht ‚regetweetet‘. Nun war ich also bereit für meine Mission: Die
Suche nach dem Sinn von Twitter.
Am Beginn
meiner Suche stand eine kleine Internetrecherche zu diesem Thema. Ganz im Sinne
des sozialen Webs konsultierte ich die Seite www.urbandictionary.com, die mir schon öfters beim
Verstehen von Zeiterscheinungen behilflich war.
Dort heißt es
wie folgt:
Twitter – „A
stupid site for stupid people with no friends, who think everyone else gives a
shit what they’re doing at any given time.“ (Molecule802.11, 2009, o.S. )
Auch
wenn diese Definition etwas zynisch und überspitzt formuliert ist, trifft sie
den Nerv von vielen Menschen, die sich die Frage stellen, warum man neben
Blogs, E-Mail, SMS, sozialen Netzwerken, usf., auch noch Microblogs benötigt. Auf
den ersten Blick hat Twitter nur Nachteile: Die Beschränkung auf 140 Zeichen
lässt ein SMS episch erscheinen; die Statusmeldungen werden in Facebook ohne
Zeichenbeschränkungen angeboten und sind Teil eines umfangreichen sozialen Dienstes.
Der einzige offensichtliche Vorteil gegenüber den etablierten sozialen
Netzwerken ist die sehr gute Suchfunktion, die es ermöglicht in allen Tweets
nach Stichwörtern zu suchen. Der Dienst eignet sich auch sehr gut zum schnellen
Verbreiten von Nachrichten, die sich durch „Retweets“ wie ein Lauffeuer
verbreiten können. Liegt also hier der Grund für den Erfolg? Ich denke, dass
die Stärke der Seite gerade im beschränktem Funktionsumfang liegt. Twitter
konzentriert sich auf seine Kernkompetenzen: schnell, einfach und kompakt zu
sein; nach dem Motto ‚keep it short and simple‘.
Um mehr über die Beweggründe und das Wesen von
Microbloggern herauszufinden, habe ich mir den Youtube-Clip „Twitter in Plain
English“ angesehen. Dieses Video versucht mit möglichst einfachen Mitteln die
Beweggründe für Microblogging darzustellen. Beweggründe, wie sie in diesem Clip
dargestellt werden, sind äußerst beängstigend:
Unfortunately,
most of our day-to-day lives are hidden from people that (sic!) care. (…) Real
life happens between blogs, posts and emails. And now there is a way to share.
(http://www.youtube.com/watch?v=ddO9idmax0o)
Allein die Behauptung es wäre
schade, dass der Großteil unseres Alltags den meisten Leuten verborgen bleibt,
ist haarsträubend. Ich bin heilfroh, dass ich nicht weiß, dass Person A gerade
ein Eis isst und Person B gerade erst aufgestanden ist. Es scheint, als sei Twitter
ein Kollektiv von Exhibitionisten (Mikrobloggern) und Stalkern (Followern), die
es sich gegenseitig leicht machen ihrer Neigung nachzugehen. Es muss also noch
andere Beweggründe dafür geben, warum 106 Millionen Menschen einen Twitter-Account
haben und warum sich 27 Prozent davon täglich einloggen (vgl. http://www.digitalsurgeons.com).
Es muss wohl
viele Personen geben, die ein sehr stark ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis
haben, das dann mithilfe von verschiedenen Social Web Applikationen befriedigt
werden kann – Tratschtanten 2.0 sozusagen. Der Grund, warum sich ein Teil für
die sehr reduzierte Form Twitter entscheidet, kann hier nicht geklärt werden.
Vermutlich bietet die Plattform den Usern eine charmante Alternative zu den ‚ganzheitlichen‘
sozialen Netzwerken wie Google+ oder Facebook, die über eine Vielzahl von Web
2.0 Anwendungen verfügen. Twitter hingegen fesselt seine Nutzer trotz des reduzierten
Funktionsumfangs und trotz der gelegentlichen Downtime des Services und bietet
ihnen eine Plattform, auf der sie der Welt mitteilen können, was sie gerade
machen, oder was sie gerade begeistert.
Quellen:
http://www.digitalsurgeons.com/facebook-vs-twitter-infographic/?source=iframe#.TtSUVdxUoTo.twitter