Sonntag, 4. Dezember 2011

Warum das ganze Gezwitscher?


Eigentlich wollte ich niemals einen Twitteraccount anlegen – ich wollte aber auch als Kind niemals mit dem Rauchen anfangen und habe es trotzdem getan. Da ich jetzt dazu genötigt worden bin einen Account zu erstellen, werde ich versuchen das Geheimnis zu lüften, das sich hinter der Faszination ‚Twitter‘ verbirgt. Auch wenn der Vergleich zum Zigarettenkonsum etwas hinkt, gibt es Parallelen: Beide Dinge haben eine soziale Komponente, beide Dinge polarisieren die Massen und beide Dinge sind schwierig zu rechtfertigen gegenüber Dritten. In diesem Blogeintrag stelle ich mir die Frage, was Menschen dazu bewegt, ihr Privatleben öffentlich zu machen.

Bevor ich meine Suche nach dem Sinn von Twitter beginnen konnte, musste ich mir einen Twitter-Account zulegen. Hier fingen die ersten Probleme an: Um eine sinnlose E-Mail-Flut zu vermeiden, versuchte ich zuerst einen Account mit einer Wegwerf-E-Mailadresse von 10-Minute-Mail zu erstellen. Der Account war schnell erstellt und auch das Bestätigungs-E-Mail war schnell angeklickt. Leider hat Twitter meinen Account trotzdem nicht aktiviert. Ich vermutete, dass dies an der Fake-E-Mailadresse liegen könne, daher erstellte ich einen neuen Account mit einer anderen E-Mailadresse, um vor demselben Problem zu stehen, und um wieder zehn Mal dazu aufgefordert zu werden, einen Bestätigungslink anzuklicken, den ich bereits angeklickt hatte. Naja, ein paar Minuten später funktionierte dann mein Account und ich machte mich mit den Grundfunktionen des Dienstes vertraut: Ich bin einigen Personen gefolgt, habe eine Nachricht ‚getwittert‘ und dann als Draufgabe sogar eine Nachricht ‚regetweetet‘. Nun war ich also bereit für meine Mission: Die Suche nach dem Sinn von Twitter.

Am Beginn meiner Suche stand eine kleine Internetrecherche zu diesem Thema. Ganz im Sinne des sozialen Webs konsultierte ich die Seite www.urbandictionary.com, die mir schon öfters beim Verstehen von Zeiterscheinungen behilflich war. Dort heißt es wie folgt:
Twitter – „A stupid site for stupid people with no friends, who think everyone else gives a shit what they’re doing at any given time.“ (Molecule802.11, 2009, o.S. )
Auch wenn diese Definition etwas zynisch und überspitzt formuliert ist, trifft sie den Nerv von vielen Menschen, die sich die Frage stellen, warum man neben Blogs, E-Mail, SMS, sozialen Netzwerken, usf., auch noch Microblogs benötigt. Auf den ersten Blick hat Twitter nur Nachteile: Die Beschränkung auf 140 Zeichen lässt ein SMS episch erscheinen; die Statusmeldungen werden in Facebook ohne Zeichenbeschränkungen angeboten und sind Teil eines umfangreichen sozialen Dienstes. Der einzige offensichtliche Vorteil gegenüber den etablierten sozialen Netzwerken ist die sehr gute Suchfunktion, die es ermöglicht in allen Tweets nach Stichwörtern zu suchen. Der Dienst eignet sich auch sehr gut zum schnellen Verbreiten von Nachrichten, die sich durch „Retweets“ wie ein Lauffeuer verbreiten können. Liegt also hier der Grund für den Erfolg? Ich denke, dass die Stärke der Seite gerade im beschränktem Funktionsumfang liegt. Twitter konzentriert sich auf seine Kernkompetenzen: schnell, einfach und kompakt zu sein; nach dem Motto ‚keep it short and simple‘. 

Um mehr über die Beweggründe und das Wesen von Microbloggern herauszufinden, habe ich mir den Youtube-Clip „Twitter in Plain English“ angesehen. Dieses Video versucht mit möglichst einfachen Mitteln die Beweggründe für Microblogging darzustellen. Beweggründe, wie sie in diesem Clip dargestellt werden, sind äußerst beängstigend: 
Unfortunately, most of our day-to-day lives are hidden from people that (sic!) care. (…) Real life happens between blogs, posts and emails. And now there is a way to share. (http://www.youtube.com/watch?v=ddO9idmax0o)
Allein die Behauptung es wäre schade, dass der Großteil unseres Alltags den meisten Leuten verborgen bleibt, ist haarsträubend. Ich bin heilfroh, dass ich nicht weiß, dass Person A gerade ein Eis isst und Person B gerade erst aufgestanden ist. Es scheint, als sei Twitter ein Kollektiv von Exhibitionisten (Mikrobloggern) und Stalkern (Followern), die es sich gegenseitig leicht machen ihrer Neigung nachzugehen. Es muss also noch andere Beweggründe dafür geben, warum 106 Millionen Menschen einen Twitter-Account haben und warum sich 27 Prozent davon täglich einloggen (vgl. http://www.digitalsurgeons.com).

Es muss wohl viele Personen geben, die ein sehr stark ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis haben, das dann mithilfe von verschiedenen Social Web Applikationen befriedigt werden kann – Tratschtanten 2.0 sozusagen. Der Grund, warum sich ein Teil für die sehr reduzierte Form Twitter entscheidet, kann hier nicht geklärt werden. Vermutlich bietet die Plattform den Usern eine charmante Alternative zu den ‚ganzheitlichen‘ sozialen Netzwerken wie Google+ oder Facebook, die über eine Vielzahl von Web 2.0 Anwendungen verfügen. Twitter hingegen fesselt seine Nutzer trotz des reduzierten Funktionsumfangs und trotz der gelegentlichen Downtime des Services und bietet ihnen eine Plattform, auf der sie der Welt mitteilen können, was sie gerade machen, oder was sie gerade begeistert. 

Quellen:

Molecule802.11. (9. April 2009). Urban Dictionary: Twitter Abgerufen am 28. 11 2011: http://www.urbandictionary.com/define.php?term=twitter


http://www.digitalsurgeons.com/facebook-vs-twitter-infographic/?source=iframe#.TtSUVdxUoTo.twitter

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