„Web
2.0“ ist wahrlich nicht das schönste Wort, mit dem man einen Text beginnen
kann; naja, ich habe es gewagt. Seit zirka acht Jahren geistert dieses Wort
durch die Medien und sogar der hartnäckigste Verweigerer neuer Medien am
nördlichsten Zipfel des Waldviertels kann seine Existenz nicht leugnen. Dann
doch lieber „Social Web“ oder „Social Media“? Ja, „Social Web“ das klingt schön.
Nennen wir es „Social Web“. Da wir uns nun auf einen Namen geeinigt haben, wäre
es natürlich auch interessant zu wissen, welche Ideen man mit diesem Ausdruck
verbindet. Was ist nun passiert, als das Internet um eine zweite Version erweitert
wurde, als aus dem Web das „Social Web“ wurde. Meine Präferenz für diesen
Begriff rührt auch daher, weil er bereits Hinweise auf das Konzept des „Social
Webs“ gibt. Das Wort „Social“ stammt von dem lateinischen Wort socialis ab
und wie jeder Benutzer eines online-community-gestützten Lateinwörterbuchs
weiß, kann dieses Wort mit kameradschaftlich
übersetzt werden. Es geht also um ein userzentriertes Internet, dessen Inhalte
in gemeinschaftlicher Aktivität generiert werden. Aus den passiven Nutzern
werden also aktive Gestalter, die nicht nur selbstständig eigene multimediale
Inhalte erzeugen können, sondern diese auch gemeinsam, vernetzt mit anderen
Usern, erstellen, verändern, diskutieren können. Durch das enorme Wachstum
solcher social-web-basierter Dienste in den letzten Jahren (Youtube, Facebook,
Google+, etc.) stellt sich natürlich auch die Frage für den Pädagogen, wie man diese Dienste für den Unterricht nutzbar machen kann. Einige Vorschläge sollen
in diesem Blog dargestellt werden.
Dienstag, 25. Oktober 2011
Social Media in der schulischen Praxis?
Die wohl bekannteste Form der
Anwendung des „sozialen Webs“ in Schulen sind die Lernplattformen. Trotz des
sozialen Potenzials von Plattformen wie „Blackboard“ oder „Moodle“ werden diese
im schulischen und universitären Alltag als relativ statische Begleitwerkzeuge
zu einem Kurs oder Unterrichtsfach verwendet. Sie werden derzeit hauptsächlich für die
Verteilung von Kurs- oder Lernunterlagen verwendet, indem die Lehrperson ein
Dokument bereitstellt und die Lernenden dieses von der Plattform herunterladen.
Dies schöpft jedoch bei weitem nicht ihr volles Potenzial aus. Die Plattformen
sind meist modulartig gestaltet und lassen sich beliebig erweitern. So gibt es
Blogging-Tools zum Veröffentlichen von Texten, Wiki-Tools zum gemeinschaftlichen
Erarbeiten von Inhalten, Diskussionsforen zum Austausch und Metadiskurs der Arbeitsaufträge,
sowie eine Vielzahl weiterer Tools. Auch hinsichtlich der Leistungsbeurteilung
bieten solche Plattformen innovative Möglichkeiten. Einerseits gibt es Benotungstools
mit klassischen Punktesystemen, in denen man Beiträge, Arbeiten oder
Hausaufgaben nach selbst gewählten Kriterien bewerten und folglich benoten
kann. In diesen Tools kann die Lehrperson auch Feedback zu den einzelnen
Kriterien anbieten. Dies ist allerdings nur eine moderne Variante der
klassischen Notengebung. Die meisten Plattformen bieten jedoch auch Features
wie Peer-Assessment, in denen Schüler die Beiträge ihrer Kollegen bewerten und kommentieren
können. Dies kann auch in mehreren Runden stattfinden, indem man den jeweiligen
Schülern die erste Fassung ihrer Produkte aufgrund der Kommentare überarbeiten
lässt. Dies entspricht auch neuen didaktischen Prinzipien, wie sie im Sinne der
konstruktivistischen Schulpraxis gefordert werden. Der Vorteil dieser
Lernplattformen liegt vor allem darin, dass das System nach außen hin geschlossen
ist und die Schüler aufgrund ihrer Beiträge keinerlei Bedenken bezüglich ihrer
Onlinereputation haben müssen, da die Beiträge nur von den Kursteilnehmern gelesen
werden können. Ein abgesichertes System hat jedoch auch Nachteile und kann das
volle Potenzial des „Social Webs“, nicht ausschöpfen. So
wäre es auch anzudenken, ob man Arbeiten (Texte, Videos, etc.), die Schüler in
Gruppen erarbeitet haben, dem Realitätstest unterzieht und diese Produkte in
diversen sozialen Medien veröffentlichen lässt. Hier könnte die Qualität des
Produkts durch die Anzahl an Klicks, Likes, oder positiven Kommentaren gemessen
werden. Problematisch ist jedoch, dass die erstellten Inhalte dadurch
öffentlich und permanent im Internet vorhanden sind. Auch besteht die Gefahr,
dass Kommentare anderer Benutzer mitunter vernichtend ausfallen können und dies
motivationstechnisch gesehen kontraproduktiv wäre.