Dienstag, 25. Oktober 2011

Einleitung

„Web 2.0“ ist wahrlich nicht das schönste Wort, mit dem man einen Text beginnen kann; naja, ich habe es gewagt. Seit zirka acht Jahren geistert dieses Wort durch die Medien und sogar der hartnäckigste Verweigerer neuer Medien am nördlichsten Zipfel des Waldviertels kann seine Existenz nicht leugnen. Dann doch lieber „Social Web“ oder „Social Media“? Ja, „Social Web“ das klingt schön. Nennen wir es „Social Web“. Da wir uns nun auf einen Namen geeinigt haben, wäre es natürlich auch interessant zu wissen, welche Ideen man mit diesem Ausdruck verbindet. Was ist nun passiert, als das Internet um eine zweite Version erweitert wurde, als aus dem Web das „Social Web“ wurde. Meine Präferenz für diesen Begriff rührt auch daher, weil er bereits Hinweise auf das Konzept des „Social Webs“ gibt. Das Wort „Social“ stammt von dem lateinischen Wort socialis ab und wie jeder Benutzer eines online-community-gestützten Lateinwörterbuchs weiß, kann dieses Wort mit kameradschaftlich übersetzt werden. Es geht also um ein userzentriertes Internet, dessen Inhalte in gemeinschaftlicher Aktivität generiert werden. Aus den passiven Nutzern werden also aktive Gestalter, die nicht nur selbstständig eigene multimediale Inhalte erzeugen können, sondern diese auch gemeinsam, vernetzt mit anderen Usern, erstellen, verändern, diskutieren können. Durch das enorme Wachstum solcher social-web-basierter Dienste in den letzten Jahren (Youtube, Facebook, Google+, etc.) stellt sich natürlich auch die Frage für den Pädagogen, wie man diese Dienste für den Unterricht nutzbar machen kann. Einige Vorschläge sollen in diesem Blog dargestellt werden.

Social Media in der schulischen Praxis?

Die wohl bekannteste Form der Anwendung des „sozialen Webs“ in Schulen sind die Lernplattformen. Trotz des sozialen Potenzials von Plattformen wie „Blackboard“ oder „Moodle“ werden diese im schulischen und universitären Alltag als relativ statische Begleitwerkzeuge zu einem Kurs oder Unterrichtsfach verwendet. Sie werden derzeit hauptsächlich für die Verteilung von Kurs- oder Lernunterlagen verwendet, indem die Lehrperson ein Dokument bereitstellt und die Lernenden dieses von der Plattform herunterladen. Dies schöpft jedoch bei weitem nicht ihr volles Potenzial aus. Die Plattformen sind meist modulartig gestaltet und lassen sich beliebig erweitern. So gibt es Blogging-Tools zum Veröffentlichen von Texten, Wiki-Tools zum gemeinschaftlichen Erarbeiten von Inhalten, Diskussionsforen zum Austausch und Metadiskurs der Arbeitsaufträge, sowie eine Vielzahl weiterer Tools. Auch hinsichtlich der Leistungsbeurteilung bieten solche Plattformen innovative Möglichkeiten. Einerseits gibt es Benotungstools mit klassischen Punktesystemen, in denen man Beiträge, Arbeiten oder Hausaufgaben nach selbst gewählten Kriterien bewerten und folglich benoten kann. In diesen Tools kann die Lehrperson auch Feedback zu den einzelnen Kriterien anbieten. Dies ist allerdings nur eine moderne Variante der klassischen Notengebung. Die meisten Plattformen bieten jedoch auch Features wie Peer-Assessment, in denen Schüler die Beiträge ihrer Kollegen bewerten und kommentieren können. Dies kann auch in mehreren Runden stattfinden, indem man den jeweiligen Schülern die erste Fassung ihrer Produkte aufgrund der Kommentare überarbeiten lässt. Dies entspricht auch neuen didaktischen Prinzipien, wie sie im Sinne der konstruktivistischen Schulpraxis gefordert werden. Der Vorteil dieser Lernplattformen liegt vor allem darin, dass das System nach außen hin geschlossen ist und die Schüler aufgrund ihrer Beiträge keinerlei Bedenken bezüglich ihrer Onlinereputation haben müssen, da die Beiträge nur von den Kursteilnehmern gelesen werden können. Ein abgesichertes System hat jedoch auch Nachteile und kann das volle Potenzial des „Social Webs“, nicht ausschöpfen. So wäre es auch anzudenken, ob man Arbeiten (Texte, Videos, etc.), die Schüler in Gruppen erarbeitet haben, dem Realitätstest unterzieht und diese Produkte in diversen sozialen Medien veröffentlichen lässt. Hier könnte die Qualität des Produkts durch die Anzahl an Klicks, Likes, oder positiven Kommentaren gemessen werden. Problematisch ist jedoch, dass die erstellten Inhalte dadurch öffentlich und permanent im Internet vorhanden sind. Auch besteht die Gefahr, dass Kommentare anderer Benutzer mitunter vernichtend ausfallen können und dies motivationstechnisch gesehen kontraproduktiv wäre.